Osterbotschaft von Landesbischöfin Heike Springhart
Karlsruhe, (28.03.2024). In ihrer Botschaft zu Karfreitag und Ostern ruft Landesbischöfin Heike Springhart dazu auf, Augen und Ohren zu öffnen angesichts der Gewalt in der Welt und dem Leid der Menschen. Tod und Trauer haben nicht das letzte Wort!
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„Vom Kreuz Jesu her dringt der ohrenbetäubende Schrei an mein Ohr: ,Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘ Jesus schreit seine abgrundtiefe Gottverlassenheit hinaus, er ist den Spöttern ausgeliefert und denen, die ihn hämisch beäugen.
Es ist der Schrei all derer, die Beschämung und Verwundung ausgesetzt sind. Der stumme Schrei derer, die ein Leben lang an den Wunden leiden, die ihnen durch sexualisierte Gewalt zugefügt wurden. So viele sind heiser geschrien und sehen sich immer noch ausgeliefert denen, die sie ausschließen aus der Gemeinschaft der Kirche und anderswo, sobald sie davon erzählen, was ihnen angetan wurde. Heiser geschrien davon, dass sie immer und immer wieder an Mauern gelaufen sind, wenn sie Gehör gesucht haben.“
Karfreitag nötige dazu hinzusehen: „Auf die unheilvollen Allianzen von Mächten und Gewalten, die Jesus ans Kreuz bringen, unheilvolle Bündnisse von Rechthabern und Wegsehern, die Verzweifelte zum Schweigen bringen. Es ist der Tag des Schreis der Menschen im Gaza-Streifen und im Westjordanland, die um ihr Leben fürchten und Hunger leiden; es ist der Tag des Schreis der Menschen in Israel, die immer noch um ihre Lieben bangen, die als Geiseln festgehalten werden. Es ist der Tag des Schreis derer, die sich nach Frieden sehnen, sich aber nicht in Unfreiheit begeben wollen und dafür ihr Leben lassen müssen. Es ist der Tag des Schreis derer, die verzweifeln angesichts von Tod und Abschieden, von enttäuschten Hoffnungen und abgebrochenem Leben. Der Sohn Gottes teilt diesen Schrei. In aller Gottverlassenheit sind wir nicht mehr verloren.“
Karfreitag ist nicht das Ende. An Ostern werde gefeiert, dass das Unwahrscheinliche möglich werde: „Dass Trümmer, Tod und Trauer nicht das letzte Wort haben. Die, die in den Fängen von Tod und Verzweiflung gefangen sind, werden aufgehoben aus dem Staub. Christus ist auferstanden und bietet den zerstörerischen Kräften die Stirn. In diesem Jahr ist die Sehnsucht nach einer Überwindung der todbringenden Mächte besonders stark. Gott befreit uns aus den Gräbern der Verzweiflung, aus den Gräbern der Scham und der immer wieder aufbrechenden Wunden, aus den Gräbern von Hass und Hetze, aus den Gräbern von Tod und Schmerz und Sterben. So unwahrscheinlich es ist, so wahr ist es auch: Christus ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden.“