Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der ForuM-Studie
Heidelberg/Karlsruhe/Bonn, (07.11.2024). Die evangelischen Theologinnen Christine Böckmann und Salome Lang, Doktorandinnen an der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg, erhalten den ökumenischen Predigtpreis für die beste Predigt in diesem Jahr. Die gemeinsam gehaltene Dialogpredigt setzte sich mit dem Thema der sexualisierten Gewalt in Kirche und Diakonie auseinander. Verliehen wird der Preis am 13. November in der Schlosskirche in Bonn.
Christine Böckmann und Salome Lang (v.l.) freuen sich über den Predigtpreis
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Christine Böckmann und Salome Lang hielten die ausgezeichnete Predigt „Laute Stille“ im März in einem Universitätsgottesdienst in der Heidelberger Peterskirche. Nur wenige Wochen zuvor war die ForuM-Studie veröffentlicht worden, die sexuellen Missbrauch in der Evangelischen Kirche und ihrer Diakonie aufgearbeitet hat. „In den Abgründen, die sich bei der Beschäftigung mit dem Bibeltext (Gen 22, die drohende Opferung Isaaks durch seinen Vater Abraham) aufgetan haben, sahen wir Parallelen zu den Abgründen, die sich im Hinblick auf sexualisierte Gewalt in der Evangelischen Kirche und dem institutionellen Umgang mit dieser eröffnet haben“, erklären die beiden Preisträgerinnen. Salome Lang ist Vikarin und Doktorandin an der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Christine Böckmann ist ebenfalls Doktorandin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg.
„Die ForuM-Studie hat uns tief erschüttert. Da wir Teil der Institution Kirche sind, sehen wir es als unsere Verantwortung, uns kritisch mit den Strukturen auseinanderzusetzen, die diesen Missbrauch ermöglichen und begünstigen“, erläutern sie den Grundgedanken, der sie zu ihrer Predigt motiviert hat. „Uns war es wichtig, weitgehend ungehörte Stimmen in der Predigt zu Wort kommen zu lassen - sowohl Stimmen des Predigttextes als imaginierte innere Dialoge, als auch Stimmen der Betroffenen des Missbrauchs als Zitate.“
Die Stimmen der Betroffenen – sowohl aus dem Bibeltext als auch aus der ForuM-Studie – wurden daher von Salome Lang aus dem Kirchenschiff von verschiedenen Positionen aus gesprochen. Der Predigtteil, den Christine Böckmann von Ambo und Kanzel aus gehalten hat, hat sich mit den Stimmen auseinandergesetzt und hat mit Gott und der Institution Kirche gerungen.
Die Predigt wende sich sowohl an die Gemeinde als auch an die Opfer. Sie ringe in der Klage an Gott dennoch um Vertrauen zu ihm, so die Jury in ihrer Begründung.
Der ökumenische Predigtpreis wird seit dem Jahr 2000 in Bonn verliehen und inhaltlich von den drei theologischen Institutionen an der Universität Bonn verantwortet. Dies sind die evangelisch-theologische und die katholisch-theologische Fakultät sowie das Altkatholische Seminar. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch, der Literaturhistoriker und Altphilologe Walter Jens, die Theologinnen Margot Käßmann und Annette Kurschus sowie die Klimaaktivistin Luisa Neubauer.